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Time to say Goodbye

Liebe Schülerinnen und Schüler des CvD,

ich möchte mich von euch verabschieden. Ich habe in den vergangenen 22 Jahren am CvD versucht, euch und vielen Jahrgängen davor Englisch und Geschichte näher zu bringen – bei einigen ist mir das wohl auch gelungen. Darüber hinaus habe ich viele andere Aufgaben erfüllt, z. B. den Stundenplan erstellt, die Klassen 5 eingeteilt oder die verschiedenen Schulleiter vertreten. Wie auch ihr habe ich immer nach einem Stundenplan gelebt, er hat einen großen Teil meines Tages bestimmt, und wie ihr, hatte ich auch immer jede Menge Hausaufgaben zu machen. Die schlimmste Hausaufgabe war immer – nicht wie ihr Klassenarbeiten oder Klausuren schreiben - eure Arbeiten zu korrigieren, stundenlang dasselbe lesen. Aber was muss, dass muss.

Nirgendwo steht, dass Schule immer Spaß machen muss. Aber: trotz der Aufgaben, die ich nicht so gemocht habe, habe ich insgesamt meinen Beruf geliebt. Ich hatte ziemlich viel Spaß – durchaus auch mal auf Kosten meiner Schüler -, ich hatte viel Abwechslung und jeder Jahrgang von euch war eine unbekannte Größe, eine neue Herausforderung. Auch wenn man natürlich erkennbar älter wird und für euch oft uralt wirkt, bietet der Lehrerberuf die Chance, im Kopf jung zu bleiben, und dass ist mir definitiv gelungen. Und wer mich im Unterricht hatte, weiß, dass ich viele Sprüche auf Lager hatte, viel Unsinn im Sinn und gerne gelacht habe.

Es gibt natürlich auch Schülerinnen und Schüler, die bei mir nichts oder wenig zu lachen hatten. Die Regelbrecher, die Mobber, die Nachtreter, die kannte ich immer, selbst, wenn ich sie nicht im Unterricht hatte. Selbst jetzt, da ich seit einem halben Jahr nicht mehr in der Schule bin, weiß ich, wer gerade meint, durch unangepasstes Verhalten auffallen zu müssen. Wie uncool ist das denn!!

„ Kann ich nicht, mach‘ ich nicht“ kam bei mir nicht gut an. Auch ich habe als Schülerin eine Menge Dinge nicht gekonnt, aber ich habe es immer versucht. Das Minimum ist, wenigstens den Versuch zu unternehmen, Aufgaben zu lösen. Wer in der Zukunft beruflich erfolgreich sein will, muss etwas wollen oder motiviert sein. Sicher ist es auch Aufgabe der Schule eure Motivation anzuspornen, aber wo nix ist, wird es auch nix. Was ihr in der Schule leistet – und ich meine hier auch Leistung, nicht Chillen, Abhängen – tut ihr für niemanden, außer euch selbst. Das solltet ihr wirklich beherzigen.

Ich bin stolz darauf, an einer Schule gearbeitet zu haben, in der im höchsten Maße engagierte Lehrer tätig waren und auch noch tätig sind – von sehr wenigen Ausnahmen abgesehen -, die euch viele Angebote machen, die über das Normalmaß hinausgehen. Versucht so viel wie möglich von diesen Angeboten in Anspruch zu nehmen. Es wird euch ganz sicher nützen. Aber darüber hinaus bieten euch die zusätzlichen Aktivitäten auch die Möglichkeit Spaß zu haben, neue Freundschaften zu knüpfen oder positive Erfahrungen an euch selbst zu erleben.

Ein großes Lob verdient ihr Schüler. Es gab und gibt so viele unter euch, die sich für ihre Mitschüler, für die Schule als Institution einsetzen oder die eigene Veranstaltungen anbieten, um etwas für ihre Mitschüler zu tun, wenn die Schule selbst es nicht anbieten kann. Ich denke hier z. B. an diejenigen, die selbst AGs leiten/geleitet haben, an diejenigen, die in Chor, Orchester oder Theater-AG ihr Können und ihre Leidenschaft zeigen oder die Sanitäter, die euch wegen jedem „Pups“ zur Seite stehen. Vielen Dank dafür und macht weiter so.

Das CvD war immer und ist auch noch eine bunte Schule, ein Ort des Lernens und des Miteinanders vieler verschiedener Kulturen. Das CvD ist ein Abbild unserer realen Welt im besten Sinne.

Zum Schluss: Als ich Schülerin war, haben wir uns untereinander auch gestritten, auch mal geprügelt, waren auch frech. Aber wir haben nicht nachgetreten, wenn jemand am Boden lag, wir haben nicht gemobbt, das war uns einfach unbekannt, Handys hatten wir auch nicht. Ein solches Verhalten ist einfach unanständig. Lebt nach der Regel "Was du nicht willst, das man dir tu‘, das füg' auch keinem andern zu." Respekt und Toleranz sollten eure Leitmotive sein bzw. werden.

Ich hoffe, dass einige von euch noch die Chance haben werden, in die neue Schule einzuziehen und im schöneren und Zeit gemäßeren Ambiente zum Abitur zu gelangen. In den 22 Jahren, in denen ich in diesem Gebäude gedient habe, habe ich einerseits erlebt, wie Schüler immer wieder die Umgebung, in der sie die Woche zubringen, beschädigen und verdrecken, andererseits musste ich auch erleben, dass die für das Gebäude Verantwortlichen (gemeint ist nicht das CvD) sich nicht ernsthaft um eine Verbesserung der Gebäudesituation bemüht haben.

Nun wünsche ich euch allen noch ein gutes und erfolgreiches Jahr 2019 und vor allem dem Abiturjahrgang 2019 ganz besonders viel Glück und Erfolg für das Abitur. Ihr macht das, ihr schafft das.

Eure Dr No